Samstag, 5. Februar 2011

Keine Zeit zum Zeithaben

Heute rannte ich durch meinen Tag. Lief hierhin und dorthin. Setzte mich, stand wieder auf, ging zu dem einen und zu dem anderen.
 Rauchte eine schnelle Zigarette, kochte einen Kaffee und ließ ihn kalt werden. Machte das eine und dachte an das andere.
 So wurde ich müde und abends fragte ich mich nach dem Sinn des Ganzen. Wie kann man laufen und laufen und nirgends ankommen?

 Also blieb ich stehen. 

Kochte einen Kaffee und behielt die Tasse in der Hand.

Rauchte eine Zigarette bis zum Ende.

Dachte an das eine und tat das gleiche.

So zählen wir die Stunden und manchmal selbst Minuten. Können es nicht erwarten und wollen die Zeit anhalten.
 Es geht uns nicht schnell genug und alles viel zu schnell. Wir haben Termine und schreiben Bücher über Entschleunigung. Wir bauen Auto`s, die uns immer schneller an die Orte bringen, an denen wir am wenigsten sein wollen.

 Wir tragen ausgefeilte Uhren, die uns alles mögliche verraten, unsere innere Uhr haben wir schon lange nicht mehr aufgezogen.
 Wir erfinden Worte und Seminare, weil sie uns so kostbar ist und wollen keine verlieren.

Uns fehlt die Zeit zum Suchen.
So wirft die Zeit ihre Schatten voraus, vor denen wir uns so sehr fürchten.










Also verschieben wir sie einfach um eine Stunde.

Heute rannte ich durch meinen Tag, sie saß in meinem Nacken und ich lief ihr hinterher.
 Mir fällt auf, wieviele Redensarten wir über sie haben, sie scheint allgegenwärtig zu sein. Ist sie mein Feind, ist sie mein Freund, weiß sie am Ende nicht mal, daß es mich gibt? Ist es ihr vielleicht sogar egal?
 Ich habe sie zu meinem Freund erkoren, jemand der mich nie verlässt, der mich immer umgibt. Der hingeht, wo ich hingehe. Der mir manchmal schmeichelt, um dann wieder gnadenlos zu sein.
 Geschenkt bekommt man von ihr nichts, aber auch nichts gestohlen. Sie ist gleich zu jedem, macht keinen Unterschied.
 Sie gibt sich mir jeden Tag auf`s Neue und überläßt es mir, was ich daraus mache. Als gäbe es für alles seine Zeit.
 Unnachgiebig ist sie auch und ich bin mir sicher, irgendwann läuft sie ab. Aber bis dahin gehört sie ganz mir.

So hat jeder seine eigene Zeit, was wir damit machen ist uns überlassen. 

Wir können wählen. Meistens. Und wenn nicht, auch daraus das Beste machen. 

Denn auch diese Tage sind unsere Zeit.


Heute rannte ich durch meinen Tag. Lief hierhin und dorthin, setzte mich und stand wieder auf. Ging zu dem einen und zu dem anderen. Machte dies und das und dachte an etwas anderes.

Jetzt bin ich müde. Ich habe schließlich so einiges erlebt. 

Soviel Zeit hatte ich heute.

Kommentare:

  1. es gibt ein plattdeutsches sprichwort
    die zeit sie läuft und wir laufen mit
    (das tempo bestimmen wir)

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  2. Ja, alles hat seine Zeit.... Säen hat seine Zeit, ernten hat seine Zeit.....
    Marcel Proust war sogar "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
    Ich weiß nur, dass ich die Zeit genossen habe während ich deinen heutigen Post gelesen habe,sie war nicht vertan.
    Ein wunscherschönes Wochenende
    Liebe Grüße
    Elke

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  3. Vielen Dank!
    Es freut mich, wenn ihr die Zeit auf meinem Blog geniesst! Ich geniesse es, ihn zu schreiben.

    Liebe Grüße,

    Markus

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  4. lieber markus,
    vielen dank für diese wunderbaren zeilen und betrachtungen. die stelle mit der inneren uhr gefällt mir am besten!
    viele grüße für ein schönes wochenende.
    elvi

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  5. Ein liebes Hallo ..
    Oh wie wahr sind deine Worte. Wenn ich sie so lese, muss ich unweigerlich an mich denken. Oftmals hetze ich umher, kann gar nicht mehr still stehen. Fühle mich wie ein kleiner Hamster im Laufrad.
    Jetzt ... genau jetzt werde ich mir eine wunderschön riechende und wohlschmeckende Tasse Morgenkaffee machen und geniiiiiiieeeessen.
    Einen lieben Gruß aus dem Erzgebirge
    Kerstin von http://potpourriderfarben.blogspot.com

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  6. Hallo Markus,
    dein Post hat mir sehr gefallen. Meine "Hetzzeit" ist zum Glück vorbei ... es gab Zeiten, da war ich nur am "Rudern" ... heute nehme ich mir auch meine "Auszeiten" ... und wenn es nur die Tasse Kaffee ist, genüsslich mit Blick in den Garten getrunken ...
    Liebe Grüße, Marlies

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  7. Hallo Markus, so geht es mir auch oft... von hier nach da, schnell hier was und dort was... und dann fragt man sich wo ist die Zeit nur geblieben?
    Am besten man hält sich an "DER WEG IST DAS ZIEL" und dann begreift man schnell, das auch das hier etwas und dort etwas, seinen Sinn hat.
    Cest la vie, Bine

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  8. Hallo Markus, der Zufall will es, dass ich auf diese Tages.Post komme. Passt ... macht mich einmal mehr zum Innehalten, bevor der Alltag mich einholt. Die Lebenszeit ist wie ein Krug mit Wasser, der nach und nach geleert wird. Manchmal dient die Leerung jemandem oder für etwas, und ein anderes Mal eben nicht.

    Sonnige Grüße ... Heidrun

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  9. SCHÖÖÖN!
    So ganz in Ruhe lesen...
    sich wundern, dass sich manche Zeilen wiederholen...
    innehalten...
    den Kopf schräglegen und die Unterschiedlichkeit der Bilder betrachten...
    ein jegliches hat seine Zeit!
    DANKE!

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  10. Erst wenn die Zeit knapp wird weißt du,
    dass du nur im Hier un Jetzt leben kannst.
    Grüße von Brigitte

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