Dienstag, 8. März 2011

Könnten Sie das bitte auf Deutsch wiederholen?

Heute mußte mein Auto zur Inspektion. Ich hasse das. Die Sache hatte ich schon ein paar Wochen vor mir her geschoben und jetzt war es einfach Zeit. Also machte ich einen Termin (9:00 Uhr) und fuhr in die Werkstatt. Ich muß dazu sagen, daß ich mich kein bißchen für all die Schrauben, Elektrikteile und sonstwas interressiere, aus denen so ein Auto ist. (Jedesmal wenn ich einen neuen Wagen suchte war die erste Frage an den Verkäufer immer: "In welchen Farben haben Sie den?")

Mir ist es ziemlich egal, wie das alles funktioniert, Hauptsache es tut es. (Ja, ich lasse meine Scheibenwischerbeläge (?) in der Werktstatt wechseln, schließlich wollen die ja auch Geld verdienen und die Lehrlinge dort müssen das ja irgendwann lernen, nehme ich an...)



Ich betrat also diese Domäne geballter Männlichkeit, stellte mich artig an (andere kamen und drängelten sich irgendwie vor, aber ich traute mich nicht zu meckern...). Schließlich kam ich an die Reihe.Iich käme zur Inspektion. Zu welcher Inspektion? (Zu welcher? Woher soll ich das wissen? Gibt es verschiedene? Häh?)

Es ließ sich aber klären und nach langer, langer, langer Zeit (dieser Mann dort mußte einen Computer bedienen und das schien der wirklich komplizierte Teil zu sein) erhielt ich ein paar Seiten Papier (der Auftrag) und eine Wegbeschreibung in die Halle. (Die Halle!)

Da mußte ich den Auftrag hinbringen. (Warum eigentlich? Beim Bäcker holt man doch die Brötchen auch nicht aus dem Ofen...) In der Halle angekommen (viele Auto`s, die in der Luft hingen, viele komische Maschinen, es roch nach Öl) gab ich den Auftrag (!) einem Mechaniker (heißen die so?).

Er schaute sich alles an, schrieb irgendwas hinein und sagte mir, ich solle ihm in den Verkaufsraum folgen. (Ähm, Entschuldigung,  da komme ich doch gerade her...?) Merkwürdige Organisation. (Vielleicht ist das für die Autobegeisterten so, wie wenn man in einem Debbie Mumm Laden in den Raum darf, in dem die Stoffe entworfen werden, bevor man welche kauft?)

25 Minuten und einige irritierende Fragen später (welches Öl? Zündkerzen erneuern? Ja, wenn die das nicht wissen....) war ich entlassen und durfte nach Hause. (Endlich)

Ich konnte mich wieder den schönen Dingen des Lebens widmen. (Apropo schön. Warum sind Werkstätten eigentlich immer so häßlich? Es gibt kein Farbdesign, keine Deko und es riecht nicht gut. Blumen würden das alles doch freundlicher machen. Warum ist noch keiner auf die Idee gekommen, eine Espresso-Bar zu integrieren? Mit einem doppelten entcoffinierten Espresso-Latte wäre das alles doch viel netter...Aber ich schweife ab.)

Irgendwann klingelte dann mein Handy und der Mann von der Werkstatt war dran. Fertig. Bis auf ein paar Kleinigkeiten. Mein Schaltwellensimmerdingens sei undicht. (mein  w a s  ?) Ob ich das machen lassen wolle. (will ich das?)

Ok, ich verstand kein Wort. Zeit schinden. Sorry, die Verbindung ist grade so schlecht, was sagten Sie? Ach ja, das Simmerdingens...wofür das sei....ahja....mh.....?????

Ich rannte die Treppe runter an mein Notebook und gab in mein Sprachenerkennungsprogramm "Simmerdingens" ein. Nichts. Keine Sprache erkannt. Danke. Und was sind Staubmanschetten? Die sind nämlich eingerissen. (schön, wenn man die Dinge kennenlernt, die man so besitzt) Ich murmelte etwas von "Ich komme vorbei" und legte erleichtert auf. Hatte ich doch gut gemeistert.

Papa anrufen. Der wird so ein Simmerdingens schon kennen. Keiner da. Wikipedia. Nö.

Zurück in der Werkstatt bekam ich ein Inspektionsprotokoll. Da sei handschriftlich alles vermerkt. Außerdem bekäme ich noch einen Computerausdruck erklärte der Werkstattmann stolz. Und dann hatte ich es Schwarz auf Weiß. Meine Staubmanschetten sind gerissen und der (oder das oder die, keine Ahnung) Schaltwellensimmerringe sind undicht. Das hat aber noch Zeit.

Scheinbar konnte er an meinem verwirrten Blick erkennen, daß ich absolut nicht wußte, von was er eigentlich sprach und erklärte es auf eine andere Weise. Und mit ausholenden Gestiken. Sehr anschaulich. Bei irgendetwas mit einem Kolben (oder irgendwas anderes) setzte ich mein professionellstes Lächeln auf, nickte zustimmend (aber nur ab und zu), bedankte mich, bezahlte und verneinte höflich die Frage, ob ich den Werkstattmeister sprechen möchte, damit der mir noch mal alles erklärt. (Um Himmelswillen, bloß nicht) (Wenn ich das Wort Schaltwellensimmerring noch einmal in meinem Leben höre schreie ich und ich fürchte, ich höre nie wieder damit auf...)

So stieg ich also in mein geliebtes Auto. Es ist silber und recht klein. Ich habe ein blaues Innenlicht installiert, das sieht abends schöner aus als grelles weißes Licht. Es gibt einen Kaffeebecherhalter und ich habe einen tollen knallroten Thermobecher, der einfach perfekt zu der Autofarbe passt. Die Sitze sind in einem dunkleren Grau und...

Ich weiß also jetzt, daß die Staubmanschetten übermäßig shabby sind. Zu shabby für den weiteren Gebrauch. Da hilft auch kein neues Binding mehr. Keine Ahnung, wie sie aussehen und ob sie sich als Deko-Objekt eignen. (So hätte der mir das mal erklären sollen....)

Die Jungs in der Werktstatt waren wirklich überaus freundlich und hilfsbereit. Sie sprechen nur einfach eine Sprache, die ich nicht verstehe. Sie sprechen sie schon so lange und so oft, daß sie vergessen haben, daß andere diese Sprache nicht sprechen.

Geht es uns nicht allen so? Sprechen wir nicht alle die verschiedensten Sprachen und sind oft verwundert, wenn andere nicht verstehen, was wir sagen? Wenn ich darüber nachdenke, weiß ich für manche Begriffe nicht mal ein normales deutsches Wort.

Ich erzähle diese Geschichte aus zwei Gründen. Erstens: Dies ist der Beweis. Es gibt keine universelle Männersprache, die alle Männer verstehen. Wirklich nicht. (Bei Frauen sieht das anders aus, und das nicht erst sei Sex and the City, aber das nur nebenbei)

Zweitens: Wir sollten so sprechen, daß die Menschen uns verstehen. Daß sie wissen, was wir meinen. Daß sie sich nicht dumm und klein fühlen. Oft trauen wir uns nicht nachzufragen. Dann bleiben wir lieber unwissend. Das sollten wir nicht. Wir sollten Mut haben zu fragen und die Fachleute zu bitten unsere Sprache zu sprechen. Und wir sollten (wenn wir es sind, die als Fachleute unterwegs sind und das sind wir alle immer wieder) in einer Sprache sprechen, die auch der Rest der Menschheit versteht.

Kommentare:

  1. Ohhhhhh, du meinst, ich solle jemand anderen als dich um Rat bitten, ob ich den Protego lieber mit Ermeto oder lieber mit ner zölligen Stahl auf dem Hasteloy-Rührer montiere...?

    :D

    Ich verstehe, was du meinst und bin völlig deiner Meinung (neudeutsch: ich geh ein Stück weit mit). Allerdings habe ich diese Unart der Fachwort-um-sich-schmeißerei auch schon bei mir entdeckt. Wenn ich den Kollegen vorschwärme, was für tolle Mill-Hills ich für meine Patchworkdecke gefunden habe und dass ich jetzt doch lieber "Quilt-as-you-go" arbeite, ernte ich ähnliche Blicke wie zu Hause, wenn ich mich dort über meine Quenchpumpensiebe auslasse...

    Ich wünsch dir nen schönen Tag... (und sei versichert, die Formulierung in meinem ersten Satz ist auch für Kenner des chemischen Anlagenbaus völliger Unsinn... :D)

    Allysonn

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  2. Moin Markus!
    Wieder so schön zu lesen und nachzufühlen!
    Meine Schrauber - habe 2 - sprechen immer von Domlagern und ich denke dann immer an den Kölner Dom! *kicher*
    Aber bei Sportsitzen, die ein neuen Bezug brauchen, darf ich dann mit Fachbegriffen um mich werfen und meine Hilfe und mein stabiles Quiltgarn wird gern angenommen.
    Heute Abend bin ich mit dem einen Schrauber beim gelben Kaufhaus (gar nicht seine Welt) verabredet - er hat das größere Auto!

    LG Jutta

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  3. Ich habe ein dickes Grinsen im Gesicht. Ja die Werkstattsprache. Da ich ja Frau bin, und Frauen eh keine Ahnung haben, frage ich denen immer Löcher in den Bauch. Allerdings muß ich von meiner Werkstatt sagen, das sie es mir eigentlich ganz gut erklären können...oder zumindest probieren. Mir ist das auch ziemlich egal, hauptsache die Kiste läuft. Ich weiß, wo ich das Scheibenwischwasser nachfüllen muß und nach dem Öl gucken muß, und wo der Diesel reinkommt. Fertig.

    LG Diana

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  4. Ach, wie gut das ich nur Fahrad fahre und es zur Not auch selbst repariere. Ist nicht so kompliziert. ;-)

    Aber ich versteh schon was du meinst. Ich Versuche immer mich so auszudrücken das andere mich verstehen. Aber ob mir das immer gelingt.

    Übrigens bin ich von Schraubern umzingelt. Wenn die alle mit mir am Tisch sitzen schau ich aus dem Fenster.
    Liebe Grüße, Marita

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  5. aaarggghh - autowerkstatt. ich komm mir da immer so blöd vor! auch mit übersetzung daheim - und ich muss sagen, dass ich alle wirklich ganz viel mühe mit mir geben - werd ich das NIE begreifen. muss ich das eigentlich? NÖ. da bin ich doch gerne blond :)
    ich hatte viel spaß beim lesen und deine blumenfotos mag ich unheimlich gern.
    liebe grüße für eine schöne woche! elvi

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  6. Mich beruhigt der Gedanke, daß es Euch auch allen so geht. Vielleicht sollte ich das nächste Mal mit einer Fachsprache kontern...wäre doch lustig.
    Ich bewundere jeden, der selbst zuhause von diesen Sprachen umgeben ist. Ihr habt meinen Respekt...

    Liebe Grüße,
    Markus

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  7. Hallo Markus!
    Es ist doch immer wieder schön, den Tag mit einem Schmunzeln im Gesicht zu beginnen.
    Deine Geschichte erinnert mich an meinen ersten Autokauf, den ich ganz allein tätigte.
    Damals war ich gerade Single, hatte aber durch meinen Exfreund einiges in Sachen Auto mitbekommen. Und mit diesem Wissen wollte ich natürlich angeben, um nicht als Dummchen zum Autohändler zu gehen.
    Ich kam also auf den Hof, hatte mir auch schon "mein" Auto ausgesucht. Bevor ich aber mit jemandem sprach, schaute ich mir den Wagen erstmal in Ruhe an. Und ausgiebig! Sprich, ich habe mich, wie ich es ja beim Ex abgeschaut habe, halb unter den Wagen gelegt und tat so, als ob ich im Unterboden herumstocher ( typischer Suchtest nach Roststellen!).
    Da ich aber gerade von der Arbeit kam, sah es wohl recht nett aus: junge Frau in Pumps und mit kurzem engem Rock liegt auf dem Hof und untersucht ein Auto! :)
    Aber diese Masche hat funktioniert! Im Verkaufsgespräch wurde ich ernst genommen und nicht übervorteilt.
    Diese Geschichte ist schon so lange her, dass ich sie fast vergessen hätte.
    Danke, dass Du sie mit Deiner Geschichte wieder hervorgekramt hast!

    Liebe Grüße,
    Katrin

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  8. Hallo Markus,

    ich bin durch Zufall auf Deinen Blog gestoßen und habe bei Deiner Schilderung der Werkstattvorkommnisse erst einmal herzhaft gelacht. Weil ich solche Situationen selber kenne. Und mir dann auch so klein vorkomme.
    Und zum Schluß Deines Eintrags musste ich mir eingestehen, dass, wenn es um Handarbeiten geht, ich auch zu so einer Fachidiotin werden kann und mein Umfeld dann auch schaut wie eine Kuh, wenn es donnert.
    Deswegen stimme ich Dir nicht nur bei Deinem letzten Satz vollkommen zu.
    Viele Grüße
    Susanne
    P.S. Und ich schaue bestimmt wieder einmal hier vorbei.

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  9. hach, wie ich mich freue, hier endlich wieder mitleserin sein zu können, nach meiner unfreiwilligen bloggerabstinenz...schöner post, danke!
    lg,
    lisanne

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  10. Lieber Markus,
    ach, wie schön, zu lesen, dass es auch Männer gibt, die genau so viel von Autos verstehen, wie ich...
    Es sollte doch reichen, zu wissen, wo man das Benzin einfüllt und dass der Regenschirm im Auto farblich zum Lack des Selben passt... schliesslich soll das Ding ja einfach fahren und fertig!
    Liebe Grüsse
    Susann

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  11. Lieber Markus,

    ich verfolge deinen Blog erst seit einigen Monaten und liebe Deine Geschichten. Heute hab ich mal wieder Tränen gelacht. Die Deatilfotos vom Motor würde meine Freundin bestimmt suuperspannend finden und mir erklären wollen, was was ist (nein sie ist keine KFZ Mechanikerin, aber fährt/schraubt n 66er Käfer)...
    Dass deine AutoDetailFotos dann im Laufe der Geschichte kommentarlos und sinnfrei von *RosenTütüFotos abgelöst werden... einfach köstlich.
    Danke dafür.

    Wann bringst du eigentlich ein Buch mit deinen Anekdoten/Kurzgeschichten raus? Oder ne Kolumne in einer Zeitung, nee die müsste ja mindestens überüberüberregional sein. Ein Buch!... ich würd's sofort kaufen.

    liebe Grüße Tara

    *wunderschönen Rosenfotos :-)

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