Mein Name ist Miss Carla Fornelle' und mir gehört dieses Hotel mit sämtlichen Ländereien. (Die Betonung liegt auf "Miss", wen sollte ich in dieser abgelegenen Gegend auch heiraten? Etwa den ungepflegten Kater von gegenüber? Glauben Sie mir, er bereut seine Annäherungsversuche. )
Ein Hotel zu führen ist keine einfache Sache und es gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Hätten Sie etwa gerne ständig wildfremde Menschen in Haus und Garten? Nun also, ich auch nicht. Leider hatte ich keine andere Wahl und muss mich nun mit den Unannehmlichkeiten, die dies alles mit sich bringt, arrangieren. Keine leichte Übung.
Wie ich zu diesem Hotel gekommen bin? Nun, es ist seit Jahrzehnten im Besitz meiner Familie. Man sagt, mein Ur-Ur-Ur-Grossonkel mütterlicherseits, ein edler Siamese adliger Abstammung, habe es sich bei einer wilden Pokerpartie in den fünfziger Jahren unter die Krallen gerissen. Aber das könnte auch nur ein Gerücht sein. Und so muss ich mich nun Jahrzehnte später damit rumschlagen.
Und das bedeutet jede Menge Arbeit. Meinen Tag beginne ich früh, wenn die Gäste noch schlafen. Eine sehr schlaue Katze hat einmal gesagt "Der frühe Vogel fängt den Wurm." Und was mit dem frühen Vogel passiert weiß allein die frühe Katze.
Mein Weg führt an den Bächen und Brunnen vorbei, in denen die missmutigen Schildkröten schon die Steine bevölkern. Allesamt dumme und unnütze Geschöpfe. (Ich habe versucht, sie los zu werden, leider ohne Erfolg. Diese Biester haben scharfe Schnäbel...)
Weiter geht es durch den restlichen Garten, an den Pools vorbei (es ist mir nach all den Jahren immer noch ein Rätsel, was die Menschen bloß an diesem Becken mit chlorigem Wasser finden) und durch einen der Seiteneingänge ins Haus. Ok, dazwischen liegt der tägliche Versuch einen dieser köstlich aussehenden Goldfische zum Frühstück zu verspeisen.
In der Lobby muss ich vorsichtig sein, der Mensch (der wirklich glaubt, i h m gehöre das Gebäude) bringt manchmal seinen Hund mit. (Arthus ist ein altersschwacher Boxer, der nicht mal mehr ein Auge hebt, wenn ich durch die Halle stolziere, aber man weiß ja nie. In jüngeren Jahren hatten wir die gefährlichsten Verfolgungsjagden)
Vor dem Hotel gibt es ein großes Gehege mit Vögeln in den appetitlichsten Farben. Seit Jahren schleiche ich nun schon um diese Leckerbissen.
Nachdem ich alles auf Vollständigkeit überprüft habe wird es Zeit für ein spätes Frühstück, welches mir auf der Terrasse serviert wird. Dann ein sonniges Plätzchen für ein kleines Nickerchen suchen und mein Bestes tun, um diese nervigen Menschen zu ignorieren. Und das ist die schwierigste Aufgabe...
Take Cats,
Miss Carla Fornelle'
P.S. Zum Beweis, dass alles so ist, wie ich es sage, trage ich ein Halsband mit dem Namen meines Hotels. Würde ich das sonst tun?